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Turnierberichte - Open (online)

 

2020

 

18.12.2020FrOpen


Online

 

Quelle: lichess

 

Exklusiv mit Inkrement

Erster Offener Lichtenfelser Online-Weihnachtscup ein großer Erfolg

„Lieber exklusiv mit Inkrement als umgekehrt“, mag sich mit dem Berichterstatter noch manch andere schachbegeisterte Person gedacht haben, die am 18. 12. 2020 um 19 Uhr beim Ersten Offenen Lichtenfelser Online-Weihnachtscup mitspielte. Einige Kommentare am Rande gingen zwar in eine andere Richtung, aber trotzdem oder gerade deswegen verlief alles zur großen Zufriedenheit der Beteiligten.

Ausgerichtet wurde dieses Turnier vom Schachverein Seubelsdorf (SVS), genauer von dessen sehr rührigem Zweiten Vorsitzenden Kilian Mager. Er knüpfte damit an eine nahezu hundertjährige Tradition weihnachtlicher Schachveranstaltungen an, die der SVS mit zeitgeschichtlich bedingten Unterbrechungen auch der interessierten Öffentlichkeit angeboten hat. Die jüngste Pandemie brachte den Spielbetrieb allerdings zumindest in einer Variation nicht zum Erliegen, im Gegenteil: Das Online-Schach boomt, insbesondere mit geringer Bedenkzeit, die das „elektronische Doping“ durch übermächtige Schachprogramme erschwert.

Den Amateurbereich prägt ohnehin die Freude daran, dass Begegnungen im Schachsport auch unter härtesten Quarantäneregeln nach wie vor möglich sind. Am Rand dieser Begegnungen wird dann entsprechend gechattet, lebhaft, locker und lustig. Während sich die offiziellen Verbandsstrukturen gerade jetzt wieder einmal gegenseitig knatternd und knirschend aufreiben, hat sich im Internet eine zwanglos frische Schachkultur entwickelt, deren vom forschen Austausch in populären Kampfsportredensarten angeregte, mit kumpelhafter Herzlichkeit versetzte Wortgefechte günstigenfalls kurz vor der Gürtellinie kehrtmachen. Gilt doch beim, wie es neudeutsch heißt, Rantern, Bantern und Roasten: Nichts muss; nicht alle können oder wollen; aber viele geben ihr Bestes. So ging es ebenfalls beim Weihnachtscup im virtuellen Umfeld zur allgemeinen Gaudi hoch her und zugleich fair zu.

Im Mittelpunkt standen freilich die Spiele, für die jeder Seite drei Minuten plus zwei zusätzliche Sekunden pro Zug erhielt. Dieses besagte „Inkrement“ erlaubt es, Zeitnot durch Aktivität wieder wettzumachen. Die Exklusivität des Turniers bestand allein darin, dass eine Voranmeldung mit Klardaten beim Organisator erforderlich war. Ansonsten konnten alle Spielfreudigen über die bekannte und bewährte Schachplattform „Lichess“ teilnehmen; wie dies geht, war und ist auf der dem SVS gewidmeten Internet-Seite (www.schachverein-seubelsdorf.de) grundständig erklärt. „Lichess“ ermöglicht das Spielen unter einem Pseudonym, wovon auch bei dieser Gelegenheit rege Gebrauch gemacht wurde. Daher bleiben dann unter anderem die Generationszugehörigkeiten und Geschlechterverhältnisse auch von außen betrachtet oft rätselhaft. Steckte hinter dem von Griechenland aus registrierten Nicknamen „anonymous girl“ tatsächlich eine junge Hellenin? Die Turnierleitung kann den Schleier lüften, braucht dafür aber jeweils das Einverständnis der Betroffenen.

Bei aller Anonymität begegnen sich beim Online-Schach allerdings doch menschliche Findigkeit und Phantasie, menschliches Rechenvermögen und Erfahrungswissen direkt und konkret in den ausgefochtenen Partien. Dies reizte 65 Personen dazu, in diesem Turnier über neun Runden hinweg gegeneinander anzutreten. Nach dem „Schweizer System“ wurden jeweils Punktgleiche zusammengelost, wobei vor allem am Anfang alle Leistungsklassen bunt aufeinanderprallen konnten. Vor jeder Runde erhöhte ein zweiminütiger Countdown die Hochspannung, bis sich dann Farbe, Spitzname und – meist noch beeindruckender – Wertungszahl des Gegenübers offenbarten, die Uhr zu laufen begann, die Figuren in Windeseile per Mausklick über die Felder gezogen werden konnten.

Den Anmeldedaten zufolge befanden sich unter ihnen 27 Jugendliche und fünf Teilnehmerinnen. Zwar kam die Mehrzahl der Beteiligten aus Deutschland; mit Meldungen aus Griechenland, Kasachstan, Österreich, Russland und der Republik Moldau war auch das Ausland gut vertreten.

An den Start gingen zwei Titelträger des Weltschachbundes und der amtierende deutsche U14-Meister Markus Albert vom SC Ansbach. Letzterer gewann das Turnier mit acht Punkten aus neun Partien, blieb dabei aber ebenso wenig ungeschlagen wie alle anderen.

Den zweiten Platz belegte mit einem Punkt weniger Tobias Kolb, in den vergangenen Jahren Shooting-Star des SVS und nun Spitzenspieler beim SC Bamberg 1868.

Dritter wurde mit gleicher Punktzahl Fabian Eber von der Spielgemeinschaft 1882 Fürth.

Den Jugendpreis erhielt Jakob Matthäi von der USG Chemnitz, der ebenfalls mit sieben Punkten den vierten Platz belegte.

Den Preis für den besten Lichtenfelser errang der Seubelsdorfer Stammspieler Marko Hofmann.

Der SVS beteiligte mit insgesamt acht Spieler, von denen sich vier in der vorderen Hälfte des Feldes etablierten. Alle Ergebnisse und alle Partien des Ereignisses lassen sich unter https://lichess.org/swiss/QYmM8cRS einsehen.

Der Austausch am Rande enthielt zu guter Letzt neben netten Grüße und heiteren Sticheleien sehr viel Lob für Kilian Mager, der ein äußerst gelungenes und ohne jede Beschwerde verlaufenes Turnier auf die Beine gestellt hatte.

Einen solidarischen Beitrag zu dessen Gelingen leisteten die Schachfreunde aus Oberkotzau, die aus diesem Anlass ihre eigenen Online-Termine zurückgestellt und sich ebenfalls fleißig am Turnier beteiligt hatten.

Gegenüber der im Sommer gleichfalls online ausgetragenen Ersten Lichtenfelser Offenen Stadtmeisterschaft hat sich die Teilnahmezahl mehr als verdreifacht, wobei 17 Personen beide Turniere mitgespielt haben und sich der gute Ruf der Seubelsdorfer Turniere mit der für das Internet vertrauten Geschwindigkeit verbreitet.

Angesichts dessen fühlt sich der SVS in seinem Bemühen darum bestätigt, die Tradition örtlicher Veranstaltungen mit überregionaler Ausstrahlung mit den Mitteln und im Stil der Gegenwart aufrecht zu erhalten.

Uwe Voigt

 

Alle Ergebnisse sind hier auf lichess ersichtlich.

 

Herzlichen Dank für die Teilnahme, bleiben Sie gesund und bis zum nächsten Mal!

 

Klaus Wiemann  | klaus@wiemann-ke.de